Wenn die Finger arbeiten, kommt der Kopf zur Ruhe

Alzheimer Gesellschaft spendet Nesteldecken für Demenzpatienten

Sie sind bunt und aus verschiedenen Materialien gefertigt, verziert mit Kordeln und Ringen. Sechs Nestel- und Beschäftigungsdecken hat die Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach jetzt im Klinikum Bayreuth an die ehrenamtlichen Demenzhelferinnen und -helfer überreicht. Die Helferinnen und Helfer legen sie bei ihren Besuchen zu demenzerkrankten Patienten ins Bett. Schon beginnen deren Finger zu arbeiten, die Gedanken kommen zur Ruhe.

Positive Erfahrungen

„Wir haben mit den Decken gute Erfahrungen gemacht", sagt Karin Orbes, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach, Diplom-Gerontologin und selbst Tochter einer Demenzpatientin. „Wenn die Finger anfangen zu arbeiten, werden die Patienten ruhiger." Ein Krankenhausaufenthalt ist für Menschen mit Demenz meist eine große Belastung. Fremde Umgebung, fremde Menschen und abweichende Tagesabläufe überfordern sie. „Das lange Liegen, fehlende Bewegung und eine reizarme Umgebung führen zu Verwirrung und Halluzinationen", beschreibt Karin Orbes.

Unterschiedliche haptische Reize

In ihren Betten lassen die Patienten daher oft ihre Finger unruhig umherwandern, nach Beschäftigung suchend – ziellos, wie es ihre Gedanken sind. Das Problem: Oft finden die Finger nicht nur die Bettdecke, sondern auch Infusionsschläuche und Kanülen. Nicht ungefährlich. Die Decken bieten Menschen mit Demenz unterschiedliche haptische Reize, die sie mit ihren Fingern erfühlen und erfahren. So wie sich die Finger auf die unterschiedlichen Reize einlassen, sich auf das Erfühlen konzentrieren, fokussieren sich auch die Gedanken. „Die Patienten werden ruhiger, die Orientierung unter Umständen besser", sagt Orbes.

Seit drei Jahren für Patienten da

Seit drei Jahren stehen ehrenamtliche Demenzhelferinnen und -helfer betroffenen Patienten während ihres Klinikaufenthalts im Klinikum Bayreuth bei. Geschult werden sie von der Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach. Derzeit sind fünf Ehrenamtliche im Einsatz, die sich über die Beschäftigungsdecken freuen: „Es ist schön zu erleben, wie ein Patient zur Ruhe kommt, wie gut ihm die Beschäftigung tut", sagen die Demenzhelferinnen Christine Conrad, Sabine Schieber und Elfriede Roßband, die das Geschenk stellvertretend entgegennahmen. Zusätzlich brachte Karin Orbes im Namen der Alzheimer Gesellschaft sechs kleine Massagekäfer mit. Mit ihnen könne man durch das lange Liegen angespannte Muskeln lockern, sagt Orbes. Das wirke sich auch auf die Atmung positiv aus – auch ein kritischer Punkt bei vielen der Patienten.

Eine große Stütze

„Die Demenzhelfer sind für uns eine große Stütze", sagt Elvira Herschel-Kummer, Assistenz der Pflegedienstleitung der Klinikum Bayreuth GmbH, bei der Übergabe. „Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement entlasten sie die Pflege, sie verbringen wertvolle Zeit mit den Patienten und bieten ihnen so einen großen Mehrwert." 

Im Bild (v.l.): Demenzhelferin Christine Conrad, Karin Orbes, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach, Demenzhelferin Elfriede Roßband, Elvira Herschel-Kummer, Assistenz der Pflegedienstleitung der Klinikum Bayreuth GmbH und Demenzhelferin Sabine Schieber bei der Übergabe der Nesteldecken im Klinikum Bayreuth.


10-jähriges Jubiläum der Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach e.V.

Am Samstag, den 4. März wurde dieses Ereignis im Evang. Gemeindehaus Bayreuth, Richard-Wagner-Straße mit einem Festakt gefeiert.

Eingefunden hatten sich etwa 70 Gäste, darunter viele Angehörige und Betroffene, aber auch Mitglieder, die sich professionell mit der Pflege und Betreuung beschäftigen, und natürlich Vertreter der Städte/Landkreise Bayreuth und Kulmbach.

Nach der Begrüßung und den Grußworten geladener Ehrengäste gab Karin Orbes, Dipl.-Gerontologin und 2. Vorsitzende unserer Gesellschaft, anhand einer Powerpoint-Präsentation einen Rückblick „Zehn Jahre – was wurde erreicht". Anschließend hielt unser 1. Vorsitzender Dr. med. Michael Schüler, Chefarzt des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, den Festvortrag „Die Alzheimerkrankheit – Gedanken zum Wandel des Demenzverständnisses nach 110 Jahren".

Es folgte eine Pause mit Imbiss und Getränken. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen oder Austausch und Beratung.

Ab 19.00 Uhr hieß es Bühne frei für „Ich erinnere mich genau", einem Zwei-Personen-Stück zum Thema Demenz von Brian Lausund. Die beiden Darstellerinnen Christine Reitmeier (die Mutter) und Liza Riemann (die Tochter) verstanden es, das Publikum von der ersten humorvollen Szene, welche komische Situationen entstehen ließ und sogar Geheimnisse der Mutter lüftete, bis hin zum „bitteren Ende" zu fesseln. Durch die hervorragende Darstellung und geschickte Inszenierung, welche mit einfachen Mitteln auskam, entstand bei den Zuschauern eine tiefe Betroffenheit. Dies bestärkte uns in dem Gefühl, uns auch weiterhin gemeinsam mit allen Interessierten für die wichtige Aufgabe engagiert einzusetzen.

 

 

 

 

 

 

 


Jung und Alt bewegt Demenz

Unter diesem Motto fanden zum Welt-Alzheimertag 2016 wieder zahlreiche Veranstaltungen statt

Dieses Jahr hat unsere Gesellschaft Informationstage im Rotmain-Center in Bayreuth und im Rathaus der Stadt Kulmbach veranstaltet. Es lässt sich der Trend feststellen, dass es immer mehr jüngere Leute sind, die sich um ihre Eltern sorgen und auf der Suche nach guten Lösungen für die jeweilige Pflegesituation den Weg zu uns finden.
Viele kamen auch in Gottesdiensten in Bayreuth, Kulmbach, Glashütten und Pegnitz zusammen, um im Kreise von Angehörigen und Pflegekräften den Welt-Alzheimertag besinnlich zu begehen.
Das von Rüdiger Baumann im Jahr 2014 verfasste Zweipersonenstück „Das ICH verreist" wurde dieses Mal im Evang. Brigittenheim Pegnitz vor etwa 60 interessierten Zuschauern aufgeführt. Büchertische in mehreren Bibliotheken der Region rundeten wie jedes Jahr unser Informationsangebot zum Welt-Alzheimertag ab.

 


Gründung der Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach e. V

Gründungsmitglieder

sitzend von links nach rechts: Dr. Christian Mauerer, Dr. Michael Schüler, Gisela von Pölnitz, Marion Tost; stehend von links nach rechts: Michael Rox, Martin Jakob, Elisabeth Mayer, Ursula Epp, Udja Holschuh